Ein Wiedersehen mit Schwester Ellen aus Südafrika
Flosser Heimatkirche gratuliert zum 70. Geburtstag
Sie hatte fest vor, an ihren 70. Geburtstag nach Floß zu ihren Geschwistern Elisabeth und Anton zu kommen, doch es kam für die in Südafrika in der Provinz KwaZulu-Natal tätigen Flosser Ordensfrau, Ärztin und Missionarin, Schwester Ellen, ganz anders.
Auf der Fahrt zum Mutterhaus nach Mallersdorf erlitt sie einen schweren Autounfall und musste stationär behandelt werden. Nunmehr ist ihr Gesundheitszustand soweit wieder hergestellt, dass sie ihren fest eingeplanten Heimatbesuch in Floß nachholen kann. Jetzt ist sie in ihrem Elternhaus bei Bruder Anton daheim. Eine feste Freundschaft verbindet Schwester Ellen mit Rita und Jos Rosner sowie Hans Eismann, die ihren derzeitigen Heimaufenthalt sehr abwechslungsreich gestalten.
In den Gottesdiensten der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, wo sie am 4. Juni 1955 getauft wurde, zum ersten Mal an den Tisch des Herrn trat und zur Kommunion ging sowie die Firmung empfing, ist sie ebenso wie beim Gräberbesuch ihrer verstorbenen Eltern im katholischen Friedhof zu sehen.
Vor genau sieben Jahren, am 11. Juli 2018 konnte Schwester Ellen, mit bürgerlichen Namen Dr. Maria Lindner (Hausname: Abraham) ihr 40. Professjubiläum mit Verwandten und Bekannten, Pfarrer Max Früchtl und der Kirchengemeinde feiern. Der 70. Geburtstag war für sie Grund genug, sich wieder daheim umzuschauen, Flosser und Oberpfälzer Luft zu schnuppern. Und das tut gut, bekennt die liebenswerte, aufgeschlossene und leutselige Ordensfrau.
Pfarrer Max Früchtl war es ein großes Anliegen, dass Schwester Ellen in der Eucharistiefeier am Sonntag statt seiner Predigt über ihr Leben und Wirken in Südafrika erzählt. Dieser Bitte kam sie gerne nach.
Doch vorweg ihre Lebens- und Berufsstationen.
Ihr zweites Zuhause ist schon als 16-jähriges Mädchen, die südafrikanische Provinz KwaZulu-Natal. Damals waren vier Mallersdorfer Schwester als Missionarinnen tätig. In der dortigen Provinz hat sie auch ihr Praktikum gemacht. Der selbstlose Einsatz der Nonnen und Ärzte beeindruckte und faszinierte sie tief. Maria Lindner darf miterleben, wie sich Ordensschwestern und Ärzte in überfüllten Krankenhäusern um die schwer erkrankten und unterernährten Patienten kümmern. Dort hat sie auch ihre Lebensaufgabe gefunden. Ihr Entschluss stand unumwunden fest: Sie tritt in dem Orden der Franziskanerinnen ein, legte im September 1978 in der Klosterkirche Mallersdorf unter Weihbischof Karl Flügel ihr Profess ab, studierte Medizin und geht als Ärztin in die Missionsstation der Nardini-Schwestern nach Südafrika. Aus Dr. Maria Lindner wird Schwester Ellen.
Nahezu 50 Jahre sind inzwischen vergangen. Ihre Erzählungen und Schilderungen waren nur ein kurzer aber prägnanter Auszug von dem, was die Flosserin in Südafrika erlebte und erlebt. Erschütternd und herzergreifend, denn sie kämpft mit all dem was sie hat gegen Armut und eine der höchsten Aids-Raten der Welt. Immerhin: Von den rund 58 Millionen Einwohnern Südafrikas leben über 30 Millionen in Armut. Die Ordensfrau hat eine ungeheuer große Verantwortung in einem Missionskrankenhaus auf sich genommen, was aus ihren Schilderungen zu hören war. Die Aufgabe hat sie sich selbst gestellt. Heute ist sie in großer Sorge über die steigende Tendenz der Vergewaltigung von Kindern. Gezielt mache man sich an die Arbeit um die Aufklärung für Mädchen ab dem achten Lebensjahr.
Schwester Ellen spricht immer wieder von den leidenden Kindern. „Sie müssen zusehen, wie ihre Eltern sterben. Und dann sind sie ganz allein“. Das tut weh. Kraft und Einsatz schöpft die Franziskanerin aus ihrem tiefen christlichen Glauben und aus einer überzeugten Nächstenliebe aber auch aus der Dankbarkeit und Fröhlichkeit der Kinder die sie alle fest in ihr Herz geschlossen hat.
Die heute 70-jährige Ordensfrau hat ihre Lebensaufgabe bereits als junges Mädchen gefunden. Das Motto des Gründers der Mission in Südafrika, Paul Josef Nardine, „Caritas Christi urget nos – Die Liebe Christi drängt uns“ trägt Schwester Ellen nicht nur im Herzen, sie lebt es.
Ihre praktische Tagesarbeit ließ aufhorchen. Die Kinderabteilung im Krankenhaus hat ihre eigenen Herausforderungen. Mit dem Eintreffen zusätzlicher Kollegen aus Holland, Kanada und Südafrika ergaben sich für Schwester Ellen neue Gelegenheiten zur praktischen Fortbildung in Durban auf den Gebieten Anästhesie, Chirurgie, Geburtshilfe und Ultraschall. Ausgerüstet mit neuen Energien und vernetzt mit fachärztlichen Kollegen kehrte sie nach Nkandla zurück und arbeitete im erweiterten Team im Krankenhaus und den 12 angeschlossenen Satellitenkliniken mit. 2005 entstand das Sizanani Outreach Programm, dem mittlerweile 78 Mitarbeiter/innen angeschlossen sind. In fünf Teams gehen Schwester Ellen und Kollegen täglich zu Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen um ganzheitlich und nachhaltig mit ihnen nach Lösungen ihrer Probleme oder Verbesserungen ihrer Lebensstationen zu suchen. Die traumatisierten Kinder und HIV-Kinder in Behandlung liegen den Ärzten besonders am Herzen.
Bei Spenden, Gaben und Unterstützungen, vorrangig auch durch die Flosser katholische Pfarrgemeinde, den Frauenbund und den Männerverein, aber auch von vielen Freundschaften und Bekanntschaften, sichert Schwester Ellen gerne zu: „Mit ihrer Hilfe kann ich in Südafrika viel Gutes tun“. Ihr Motto lautet damals wie heute: „Man muss tun, was man kann. Liebe ist unser Leben, unser Auftrag“.
Ihre liebevolle, ausstrahlend freundliche Dankbarkeit bekennt sie gerne für jede Art von Unterstützung durch einem aus freudigen und innigen Herzen kommendes „Vergelt’s Gott“.
So war es auch am Sonntag bei der Eucharistiefeier, die Pfarrer Max Früchtl als Dankgottesdienst für Schwester Ellen bezeichnete und mit den Worten: „Du hast den Ruf Gottes erfahren, der Herr braucht dich“, gratulierte. Kirchengemeinde, Frauenbund und Männerverein haben Schwester Ellen mit großzügigen Spenden und herzlichen Glück- und Segenswünschen zu ihrem 70. Geburtstag beglückwünscht. Spontan wurde der Kanon „Viel Glück und viel Segen“ angestimmt. Und wieder hörte man aus dem Munde der Flosser Ordensfrau und Ärztin: „Ich kann nicht genug danken. Mit ihrer Hilfe kann ich weiter in Südafrika Gutes tun und den Menschen helfen“. So ist ihr von Gott geschenkter Beruf zur Berufung und Lebensaufgabe geworden. Eine großartige und einmalige Ordensfrau, die ihre Flosser Heimat tief im Herzen trägt.
Artikel und Bild(er): Fred Lehner
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